Siedlungsgebiete in Russland:
In
den Jahren 1763-1768 wanderten rund 8000 Familien mit 27 000 Seelen
ins Wolgagebiet ein. Hier wurden auf der Bergseite (rechtes Wolgaufer)
45 und auf der Wiesenseite (linkes Wolgaufer) 59 Kolonien gegründet.
Die Siedlungen wurden streng konfessionell angelegt:
| |
evangelisch |
katholisch |
| Bergseite |
31 |
14 |
| Wiesenseite |
35 |
24 |
| gesamt: |
66 |
38 |
Stammesmäßig sind die Wolgadeutschen vorwiegend Hessen, aber
auch Pfälzer und Württemberger.
Die ländlichen Siedlungen um Petersburg und um Belowesh (nordöstlich
von Kiew) sowie Riebendorf entstanden fast gleichzeitig mit den deutschen
Siedlungen an der Wolga.
Die Wolhyniendeutschen sind zum großen Teil Niederdeutsche aus
der Weichselgegend und aus Pommerellen, Mitteldeutsche aus Schlesien
und Polen und Oberdeutsche (Schwaben) aus Mittelpolen. Stammesmäßig
sind also die Wolhyniendeutschen überwiegend Norddeutsche, der
Religion nach evangelisch.
Während die Wolga- und Schwarzmeerdeutschen in großen geschlossenen
Dörfern siedelten, waren die Wolhyniendeutschen größtenteils
in Streusiedlungen und Einzelhöfen angesiedelt worden. Das erschwerte
das Gemeinschaftsleben. In der Sowjetzeit wurden allerdings die Einzelhäuser
"versetzt" und geschlossene Kolchossiedlungen gebildet.
Die erste größere Gruppe, die sich im Schwarzmeergebiet ansiedelte,
waren die Mennoniten aus der Danziger Gegend, die sich aufgrund von
verbesserten Ansiedlungsbedingungen 1789 südlich von Jekaterinoslaw
(Dnjepropetrowsk) niederließen und hier das bekannte Chortitzer
Gebiet bildeten. Bald darauf (1803) siedelten sich die Mennoniten teils
aus Chortitza, teils wieder aus der Danziger und Elbfinger Gegend unmittelbar
in Taurien an dem Flüßchen Molotschna an. Hier entstand die
größte Mennonitengruppe - das Halbstädter oder Molotschnaer
Gebiet. Durch Erlass Alexanders I. vom 20. Februar 1804 wurde eine strenge
Auswahl bei der Werbung in Deutschland getroffen. Auch wurde gefordert,
dass die Auswanderer ein bestimmtes Vermögen nachwiesen. Diese
Werbung hatte besonders in Südwest- und Süddeutschland großen
Erfolg.
In den Gouvernements Cherson, Bessarabien, Jekaterinoslaw, Krim und
Südkaukasus (1817) wurden auf zugeteilten Ländereien größere
geschlossene Siedlungsgebiete gegründet.
Konfessionell setzte sich das Schwarzmeerdeutschtum 1914 wie folgt zusammen:
evangelisch 246.280, d. s. 45%
katholisch 195.640, d. s.
35,8%
Mennoniten 104.370, d. s. 19,2%
Ferner gab es deutsche Siedlungen im Kaukasus sowie - später gegründet
- südlich des Ural und in Westsibirien. Das städtische Russlanddeutschtum
umfasste 50 Städte mit einem deutschen Bevölkerungsanteil
von 500 bis 5000 Personen, dazu kamen Odessa mit bis zu 12 000, Moskau
mit bis zu 20 000 und St. Petersburg mit bis zu 42 000 (im Jahre 1905)
Deutschen.